Samstag, 17.09.2016

17.15 - 19.15 Uhr

Epigenetik (Prof. Dr. Kurt Zänker, Witten, D)

Raum: SR 1

Der Workshop führt hinreichend auf dem “state-­of-­the-­art” zur Epigenetik ein. Ein spezielles genetisches und/oder biochemisches Wissen ist dafür nicht erforderlich. Das präsentierte Grundlagenwissen soll als diskursive Plattform dienen, - Hypothesen getrieben und Hypothesen generierend -­, wie psychologische Interventionen einen Zugriff auf den Zellkern haben können um biopsychologisches Verhalten und Therapieerfolge oder Mißerfolge in einer personalisierten Medizin näher verstehen zu lernen.
Als Krankheitsbilder sollen dabei “cancer-­related-­fatigue und “chronic disease-­‐related fatigue”, beispielgebend, im Vordergrund stehen.

Es werden im Workshop die pros und cons hinsichtlich ausgewählter psychologischer Interventionen (Auswahl durch die Teilnehmer) beleuchtet, die dann für ein belastbares Rationale des “heilsamen Wortes” stehen.
Das Ziel des Workshop sollte sein, daß die Teilnehmer eine Konsensus fähige Kritikimmunität erlangen und daß vor dem Hintergrund von Epigenetik und Psychoneuroimmunologie ein neuer Aufbrauch in der psychosomatische Medizin sowohl für den Patienten/In als auch für das Gesundheitswesen/Gesellschaft gewagt werden kann.
Der Workshop richtet sich an Teilnehmer/Innen, die ihre psychologische Ausbildung, ihre Erfahrung und ihre Therapiekonzepte um einen neuen, visionären Schritt in eine(r)) psychosomatischen Medizin erweitern wollen.
Der Wunsch zur Nachhaltigkeit der Ergebnisse des Workshop wäre eine gemeinsame und publizierfähige Erklärung zur Epigenetik und psychosomatischen Medizin.

Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie (Prof. Dr. Christian Schubert, Innsbruck)

Raum: HS 2

Neueren medizinischen Konzeptionen zufolge muss man heute davon ausgehen, dass sämtliche Systeme des Organismus (u.a. Nerven-, Immun-, Hormonsystem) nicht nur untereinander, sondern auch mit der Umwelt vernetzt sind. Der Forschungsbereich Psychoneuroimmunologie (PNI) untersucht diese komplexen Zusammenhänge und gilt als Forschungsbereich, von dem in Zukunft die meisten Innovationen für Theorie und Klinik in der Medizin zu erwarten sind. In diesem Workshop ein Einblick in die Zusammenhänge zwischen psychologischen Interventionen und Aktivität des Immunsystems gegeben (u.a. Immunkonditionierung, Hypnose, Stress-Management, Gesprächstherapie). Dabei werden auch die Grenzen herkömmlicher Forschungszugänge (u.a. Prä-Post-Gruppendesigns) in der PNI deutlich, die – ganz im Sinne des biomedizinischen Reduktionismus – darauf ausgelegt zu sein scheinen, immunologische Wirksamkeit von Psychotherapie zu belegen, nicht jedoch neues Wissen von körperlicher Erkrankung aus dem Verständnis psychosozialen Dysfunktionierens zu generieren. Um in Zukunft körperliche Erkrankung mit psychotherapeutischen Mitteln gezielt heilen zu können, ist ein Pardigmenwechsel in der medizinischen Forschung unumgänglich. Wir gehen davon aus, dass dies mit einer angemessenen methodischen Berücksichtigung individuell bedeutsamer Realität („Bedeutung“) und dynamischer Komplexität („Zeit“) möglich ist. Eigene (integrative Einzelfall)Studien verwenden daher eine Kombination aus qualitativen Methoden und Zeitreihenanalyse um der Komplexität der PNI methodisch besser zu entsprechen. Die mit diesem Vorgehen erzielten Ergebnisse werden ausführlich vorgestellt. 

Aktuelle Literatur: Schubert (Hrsg): Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie. 2. Auflage. Schattauer 2015.

 

 

Praktische Stress-Diagnostik innerhalb der PNI (Prof. Dr. Alfred Wolf, Elchingen, D)

Raum: SR 3

Stress wird sowohl durch physische als auch psychosoziale Ursachen ausgelöst und befördert und führt zu entsprechenden stressbezogenen Veränderungen von Verhalten, Neurobiologie und Physis. Der Integrale Stresstest (IST) ist ein umfassendes Werkzeug zur Diagnostik von Stressursachen und Stressfolgen mit unterschiedlichen, ausschliesslich wissenschaftlich gesicherten Parametern.


Neuropsychologische Tests: Untersuchung von Stress-Symptomen (Phänotypen), beruflichen und persönlichen Stressoren und stressverstärkenden Denkmustern. Ergänzung durch Copenhagen Burnout Inventory (CBI), „Effort Reward Imbalance“-Test (ERI) zur Untersuchung von beruflichen Belastungen sowie „Personal Health Questionnaire (PHQ)“ zum Ausschluss psychischer Erkrankungen.


Physische Tests: Cortisol Tagesprofil im Speichel (8, 14, 20 h), Neurotransmitter im 2.Morgenurin (NA, DA, Ser, Glut, GABA), Herzratenvariabilität (HRV) über 3 Tage zur Diagnostik von Sympathicus und Vagus-Aktivität, nächtlicher Grad von Regeneration.
Immunparameter: Entzündungsparameter CRPhs, TNFα, IL-6, ggf. IP-10.
Mit diesen Diagnostika kann man die Stressbelastung detailliert sowohl psychisch als auch somatisch Bcharakterisieren und ein entsprechendes, individuelles Stresscoping- und Substitutions-Programm entwickeln.

Maly-Meditation (Wolfgang Maly, München, D)

Raum: SR 5

Die Maly-Meditation ist eine komplementäre Maßnahme, basierend auf Meditation, Visualisierung, Autosuggestion und Handauflegen. Die Methode setzt dort an, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen gerät, wenn Ärzte und Pflegepersonal überlastet sind. Dazu Prof. Waldemar Uhl, St. Josef-Hospital Bochum:

„Ein großes Problem der deutschen Schulmedizin ist, dass aufgrund der zunehmenden Ökonomisierung der Medizin die Zuwendung zu den Patienten und ihren Angehörigen eindeutig zu kurz kommt. Die christlich basierte Maly-Meditation möchte ich als eine wichtige komplementärmedizinische Maßnahme besonders empfehlen.“
In einer aktuellen Studie der LMU München wird der Einfluss der Maly-Meditation auf die Gesundheit von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom untersucht.
Der Workshop besteht aus einem Vortrag und einer gemeinsamen Gruppenmeditation unter Anleitung durch Wolfgang Maly.

Aktuelle Literatur: „Die Maly-Meditation – Wie Zuwendung heilen kann“

Sport und Entzündung (PD Dr. Karsten Krüger, Gießen, D)

Raum: SR 19

Inhalte: Folgende Themen werden zunächst diskutiert und kennengelernt: Was ist eine Entzündung? Wie unterscheidet sich eine lokale Entzündung von einer systemischen Entzündung? Wie induziert eine Entzündung eine Veränderung von Stimmung und Verhalten? Was ist eine „Brain-Inflammation“? Wie beeinflusst der Sport und körperliche Aktivität eine systemische Entzündung? Wie sollte ich Sport treiben, um positive immunologische Veränderungen zu induzieren.

Lernziele: Die Ziele des Workshops liegen darin, Interaktionen des Immunsystems und des Gehirns besser zu verstehen. Gleichzeitig soll vor diesem Hintergrund kennengelernt werden, wie aktiv der Mensch eigentlich sein soll, um von den positiven Effekten des Sportes und der Bewegung immunologisch und damit auch psychisch zu profitieren.

Selbstöffnung (Dr. Andrea B. Horn, Zürich, CH)

Raum: SR 4

Selbstöffnung kann schriftlich und mündlich geschehen und ist ein grundlegender Prozess im Umgang mit emotionalen Inhalten. Eine wichtige Technik, diesen Prozess zu fördern, ist das Aufschreiben der tiefsten Gedanken und Gefühle zu einem belastenden Thema- eingeführt in die Forschung von J. Pennebaker handelt es sich hierbei mittlerweile eine der am besten untersuchten psychotherapeutischen Minimal-Interventionen. Dieser Workshop hat zum Ziel, diese Technik einzuführen, den theoretischen Hintergrund zu erläutern und ihre Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen psychotherapeutischen Bereichen darzustellen.

Schlaf und Psychoneuroimmunologie (PD Dr. Tanja Lange, Lübeck, D)

Raum: SR 17

Die Zusammenhänge zwischen Schlaf und Immunsystem sind uns aufgrund von Alltagserfahrungen wohl bekannt. Wir kennen die Schläfrigkeit während eines Infektes, Aussagen wie „schlaf Dich gesund“ oder „Schlaf ist die beste Medizin“ und die Tatsache, dass uns ein fieberhafter Infekt erwischen kann, wenn wir zu lange unseren Schlaf vernachlässigen. Tatsächlich kann eine Aktivierung des Immunsystems Schlaf, vor allen Dingen Tiefschlaf, induzieren und verstärken. Umgekehrt bietet der Tiefschlaf optimale Voraussetzungen für eine effiziente Immunantwort. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die besonderen hormonellen Veränderungen während des Tiefschlafs die Abwanderung und Interaktion von Immunzellen fördern und so die Abwehr von Krankheitserregern und die Ausbildung des immunologischen Gedächtnisses unterstützen.

 

 

 

Prävention von Demenz-Erkrankungen (Prof. Dr. Pasquale Calabrese, Basel, CH)

Raum: SR 2

Abstract liegt noch nicht vor

Aufbruch zu einer neuen Theorie der Humanmedizin – Biosemiotik, Konstruktivismus und Systemtheorie (Dr. Sven Eisenreich, Frankfurt, D)

Raum: SR 18

Thure von Uexküll (1908-2004) beklagte eine fehlende Theorie der Humanmedizin. Er fragte kritisch, mit welchen Modellvorstellungen wir in unserem klinischen Alltag arbeiten. Der Mensch wird als Maschine gesehen (als sogenanntes triviales Maschinen-Modell), die einen Defekt aufweist, der behoben werden muss. Psychische oder psychosomatische Vorgänge sind in diesem Erklärungsansatz nur schwer unterzubringen, weil sie an der Frage scheitern, wo beziehungsweise wie Körper und Geist miteinander verbunden sind.
Thure von Uexküll entwickelte einen neuen Ansatz der Integrierten Medizin und verband dazu Konzepte des Konstruktivismus, der Biosemiotik (Zeichenlehre in biologischen Systemen) und der Systemtheorie miteinander. Symptome sind nach diesem Ansatz Zeichen im Sinne von Indizien, die keine festgeschriebene, sondern eine zugewiesene Bedeutung.
Krankheit lässt sich unter diesem Aspekt als Störung der Passungsverhältnisse auf einer oder mehreren Ebenen des Menschen als biopsychosoziales System (nach George L. Engel) verstehen und Gesundung als Herstellung neuer Passungen. Krankheit ist mehr als ein Funktionsverlust. Diese grundlegenden Gedanken sollen in dem Workshop vorgestellt und diskutiert werden. Klinische Fallbeispiele sollen dabei helfen, das theoretische Wissen auf die Praxis zu übertragen.