Interview mit Prof. Kurt Zänker

23. Februar 2016

Interview mit Prof. Kurt Zänker

Fragen und Antworten zur Publikation hinsichtlich der Tagung" Psychoneuroimmunologie im Lauf des Lebens – Aufbruch zu einer neuen Medizin"

Interviewer: Herr Prof. Zänker, gemeinsam mit Herrn Prof. Schubert gestalten Sie als Tagungspräsidenten die Tagung "Psychoneuroimmunologie im Lauf des Lebens – Aufbruch zu einer neuen Medizin", die vom 16. bis 18. September 2016 in Innsbruck stattfindet. Welche Erwartung haben Sie an eine solche Tagung?

Prof. Zänker: Das Programm der Tagung wurde so aufgebaut, dass sich eine detaillierte Sichtweise zum Zusammenspiel von Psyche, neuronalen und immunologischen Abläufen – also  zur biopsychosozialen Einheit des Menschen im Gesund- und Kranksein – beschreiben lassen wird. Alle Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Fachrichtungen in den Gesundheitswissenschaften, die hier ein therapeutisches Feld neu entdecken wollen, werden vom Ganzen oder von Teilaspekten auf einem hohen wissenschaftlichen aber auch praktisch anwendbaren Niveau profitieren.

Interviewer: Können Sie kurz etwas zur Psychoneuroimmunologie (PNI) und zu der Bedeutung von PNI in der Wissenschaftsgeschichte sagen?

Prof. Zänker: Die PNI wurde in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem amerikanischen Psychologen Robert Ader als Forschungsgebiet etabliert, als er einen informativen Austausch von seelischen Befindlichkeiten mit dem Immun- und Nervensystem, die in Regelkreisen ablaufen, nachweisen  konnte. In der amerikanischen Wissenschaftslandschaft wurde dann die PNI viel konsequenter und ernster verfolgt, als es dies in Europa in der Folgezeit der Fall war. In Europa wurde eine Interdependenz von „soft data“ (Psychologie) mit „hard data“ (Molekularbiologie) lange sehr skeptisch betrachtet, auch, und vor allem hinsichtlich einer klinischen Anwendung.

Interviewer: Sehen Sie hier nun eine Änderung und ist diese Tagung geeignet dazu neue Akzente zu setzen.

Prof. Zänker: Ja, wenn man so will, wir stehen nun vor oder sind schon mitten in einem Paradigmenwechsel. Dieses Wort wird häufig missbraucht oder bewusst falsch verstanden; aber, vor dem Hintergrund der nun wohl etablierten „Epigenetik“ und eines Strebens nach „Präzisionsmedizin“ wird die psychosomatische Medizin eine große Renaissance erleben. Das wohl gesetzte therapeutische Wort wird eine komplementäre Bedeutung hinsichtlich der Interaktion mit dem „personalisiertem Molekül“ erlangen. Therapeutische Sprache und molekulare Allopathie werden vereinigt werden müssen, um dem Patienten gerecht zu werden. Diese Tagung ist deshalb prädestiniert Impulse zu geben, denn sie leuchtet die PNI mit ihren neuen Erkenntnissen -­‐ vorgeburtlich bis zur Seneszenz -­‐ in vielen Schattierungen aus. Die das Leben überspannenden Erkenntnisse zur PNI sind ein Aufbruch in eine neue Medizin, denn sie fordern geradezu ein, im Gesund- und Kranksein die dynamische Biographie eines Menschen/ Patienten – unabhängig vom Zeitpunkt der Erkrankung – zu betrachten und therapeutisch zu bewerten. Krankheit ist ein Biographiebruch, ein Herausfallen aus der heilen Gesamtheit; therapeutisches Wort und therapeutisches Molekül sind jeweils auf ihren Ebenen gemeinsam wieder heilend.

Interviewer: Herr Prof. Zänker, wenn man das, was Sie jetzt so sagen verfälschend aus einem Kontext reißt und zitiert, haben Sie da nicht bedenken, dass der Tagung ein missbrauchender Zungenschlag einer willkürlichen, esoterischen Medizin anhaften könnte?

Prof. Zänker: Nun, ausschließend kann man in der heutigen Medien- und Wissenschaftslandschaft nichts. Die gewonnenen Referentinnen und Referenten haben aber in ihren Disziplinen eine so hohe Reputation, daß ich, mit gesundem Menschenverstand betrachtend, kein Gefahrenpotential sehe. Im Gegenteil, je mehr Querdenken in dieser Tagung aufscheint, je größer das Ringen in einer Streitkultur nach einer klinisch relevanten „Therapiewahrheit“ durch das Modell der PNI angestrebt wird, um so befruchtender werden alle Teilnehmer wieder an ihre Arbeitsplätze zurück kehren, zurück kehren mit dem Mut, neue Therapieansätze in der tägliche Arbeit mit den Patienten zu versuchen. Es wird nicht für eine willkürliche Therapie von Psyche und Soma plädiert, sondern für eine Psychosomatik, die modellhaft und erklärbar den Menschen in seinem Sosein der Erkrankung ganzheitlich begleitet; das erfordert der therapeutische Respekt und es ist zugleich eine Hommage an Thure von Uexküll.

Interviewer: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Prof. Zänker. Ich wünsche Ihnen und allen Teilnehmern, dass die Tagung in diesem Sinn erfolgreich verläuft.

 


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