Interview mit Dr. Georg Gfäller

22. Juni 2016

Interview mit Dr. Georg Gfäller

Herr Dr. Gfäller Sie als ausgewiesener Praktiker in analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Psycho- und Gruppenanalyse sind Sie ein wichtiger Sprecher auf der Konferenz zur Psychoneuroimmunologie (PNI) in Innsbruck, vom 16. bis 18.09.2016.
Was soll diese Konferenz aus Ihrer Sicht bewirken und bewegen und als "take home message" für die Teilnehmer erbringen?

Dr. Georg Gfäller:
Die in der Regel an den Universitäten gelehrte Medizin brachte einerseits enorme Fortschritte bei der Behandlung auch schwierigster Erkrankungen, musste bei diesen Fortschritten aber vernachlässigen, wie die einzelne Erkrankung im Zusammenhang mit Lebensgeschichte, mit vernetzten Organsystemen und Umweltfaktoren steht. Man wollte besser Krankheiten behandeln, verlor dabei aber den ganzen erkrankten Menschen in seinen Vernetzungszusammenhängen aus dem Auge. Die PNI ist dabei, diese Zusammenhänge wieder neu auf hohem wissenschaftlichen Niveau herzustellen und kommt dabei Sigmund Freud mit seiner Auffassung der Psychoanalyse sehr nahe, seiner postulierten Einheit von seelischen und körperlichen Vorgängen. Der gegenseitige Austausch der an der PNI beteiligten Wissenschaftler und Praktiker dürfte für tiefgreifende Verbesserungen in der Behandlung erkrankter Menschen spielen, da bin ich sicher.

Sehen Sie in dieser Konferenz den formulierten Anspruch, einen Aufbruch in eine neue, psychosomatische Medizin zu wagen, als gerechtfertigte Formulierung an?

Dr. Georg Gfäller:
Es ist tatsächlich ein Aufbruch in die sozio-, bio- und psychotherapeutische Medizin auf neuem und hohem wissenschaftlichen Niveau.

Aus Ihrer jahrelangen Erfahrung abgeleitet - die wissenschaftspolitische Umsetzung neuer Ergebnisse z.B. zur PNI in den psychologischen Wissenschaften - ist diese eine realistische Versorgungsstärkung für den Patienten?

Dr. Georg Gfäller:
Es wäre eine wesentliche Stärkung der Versorgung, wenn die PNI auch in den psychologischen, nicht nur medizinischen Wissenschaften vermehrt gelehrt würde.

Können Sie eine Abwägung treffen: Was bedeutet das "wohl gesetzte Wort" in Bezug auf das/die allopathische Molekül/Medikation in der Medizin der Zukunft?

Dr. Georg Gfäller:
Die Arzt-Patienten-Beziehung und damit das „wohl gesetzte Wort“ waren schon immer von heilsamer Wirkung und hatten auch auf molekularer Ebene Wirkung im Sinne der Vernetzung bio-psycho-sozialer Faktoren im Sinne des Verständnisses des Krank-Seins und der Befreiung unterdrückter Selbstheilungsprozesse. Auch die Wirkung der Medikation konnte so oft verbessert werden.


Zurück zu den News