Vielen Dank!

Wir danken den Referenten für ihr Engagement und die zahlreichen Beiträge sowie den TeilnehmerInnen für ihr Kommen!

Mit über 600 Teilnehmern aus Forschung und Praxis war die Tagung „Psychoneuroimmunologie im Laufe des Lebens – Aufbruch zu einer neuen Medizin“ in Innsbruck ein voller Erfolg für Professor Dr. Dr. Christian Schubert. Schubert ist Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie (PNI) an der Universität Innsbruck und Vorstandsmitglied der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM).

„Ich bin überwältigt vom Interesse der Zuhörer und dem intensiven fachlichen Austausch. Die Entscheidung, die Tagung um ein Jahr zu verschieben, war genau richtig“, so Schubert im Interview. Ursprünglich hatte  der Kogress bereits vor einem Jahr stattfinden sollen, musste dann aber wegen zahlreicher Kooperationsanfragen verschoben werden, um ein möglichst umfangreiches Bild des Stands der Psychoneuroimmunologieforschung abzubilden. Dies scheint gelungen.

Schubert hatte die Tagung gemeinsam mit Professor Dr. Kurt Zänker, Institut für Immunologie der Universität Witten/Herdecke organisiert und fordert einen biopsychosozialen Forschungszugang, weg von großen Kohorten- hin zu integrativen, biopsychosozialen Einzelfallstudien. Seiner Ansicht nach können nur so die komplexen immunologischen Zusammenhänge untersucht werden.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mit diesem eindrucksvollen Zitat Mahatma Gandhis könnte man die Entwicklung der PNI in den letzten Jahren zusammenfassen. Heute scheinen wir in der Übergangsphase zwischen Belustigung und Bekämpfung zu sein, jedenfalls sind die Ergebnisse der PNI nicht mehr zu ignorieren. Schubert dazu: „Wir brauchen eine Revolution. Das biomedizinische Maschinenmodell war gestern. Es ist reduktionistisch, dualistisch und von der Idee her zwar objektivistisch, aber letztlich wird es der Komplexität des Menschen nicht gerecht.“ Schubert sprach von einer gemeinsamen biochemischen Sprache, die komplexen, multisystemischen und multidirektionalen Informationsaustausch im Menschen emögliche, und eine solche Sprache scheint auch in der gemeinsamen Forschungsarbeit gefunden werden zu müssen. Der Ansatz integrativer Einzelfallstudien, wie er in Innsbruck verfolgt wird,  steht im weiten Feld doppel-blind randomisierter Mulit-Center-Studien noch ziemlich alleine dar.

Die Tagung versuchte die gesamte Lebensspanne des Menschen abzubilden und war thematisch in drei große Entwicklungsstufen untergliedert: Entwicklungsstufe Kindheit, Erwachsenenalter und Alter. Jede Einheit wurde mit einem Grundsatzreferat eingeleitet. Bemerkenswert war auch die Moderation: Der Medizinjournalist Dr. Markus Weber aus Köln führte souverän und hervorragend vorbereitet durch alle Veranstaltungstage. Er schaffte es dabei stets, den zeitlichen Rahmen der Vorträge mit dem Bedürfnis der Referenten und des Publikums harmonisch in Einklang zu bringen. Vom Grundsatz her wäre ein wenig mehr Raum für Diskussionen sicher wünschenswert gewesen.

Sonja Entringer (Berlin) und Angelika Buske-Kirschbaum (Dresden) begannen den Freitag mit einem Blick in die pränatale und frühkindliche Immunentwicklung, wobei der von Entringer eingeführte Begriff der fetalen Programmierung beängstigend technisch anmutete. Dieser beschreibt den Prozess, durch den die frühe Umwelt im Zusammenspiel mit der genetischen Ausstattung die Physiologie des heranwachsenden Organismus beeinflusst.

Evidenz haben wir genug! Sie hat nur keine klinische Bedeutung.

Logisch darauf aufbauend stellte Gottfried Spangler (Erlangen) Ergebnisse der Bindungsforschung vor, die zwar eine schöne Übersicht und Zusammenfassung darstellten, aber kaum neue Erkenntnisse der Forschung beinhalteten. Dies war ganz anders bei Florian Überall (Innsbruck), der über die Bedeutung des Mikrobioms beim Menschen  referierte. Das Mikrobiom ist die natürliche Besiedlung des menschlichen Magen-Darm-Traktes. Überall nahm den Jungsteinzeitmenschen Ötzi als Ausgangspunkt seiner Überlegungen, dessen Mikrobiom dank hochmoderner genetischer Analysen wichtige Einblicke in die Ernährungs- und Verdauungsgewohnheiten früherer Kulturen gegeben hat. Auch bei Überall spielte die Kommunikation zwischen den Bakterien eine wichtige Rolle.

Es scheinen also die Zeichen und deren Bedeutungszuweisung ein wichtiger Baustein im Verständnis komplexer biologischer Systeme zu sein. Thure von Uexküll wäre mit seinen Grundgedanken der Biosemiotik hocherfreut darüber gewesen, auch wenn außer Christian Schubert nur Horst Kächele (Berlin) auf Uexküll verwiesen hat.

Kächele beklagte einleitend aus jahrzehntelanger Forschungsarbeit heraus: „Evidenz haben wir genug! Sie hat nur keine klinische Bedeutung.“ Er meinte damit, wie wenig Berücksichtigung wichtige Ergebnisse der Psychotherapieforschung bis heute finden. Der Biomedizin scheint es da anders zu gehen. In der Entwicklungsstufe Erwachsenenalter wurden eine Vielzahl von Studienergebnissen vorgestellt, die in ihrer Komplexität kaum noch zu verstehen waren. Karl-Heinz Ladwig (München) und Günter Schiepek (Salzburg) sprachen über das immungesunde Herz und die Synchronisation von Hormon-, Immun-, Neuro- und Psychodynamik.

Erfrischend anders machte es Tanja Lange aus Lübeck. Die Schlafforscherin schaffte es trotz fortgeschrittener Stunde auf ganz wunderbare Art und Weise mit einem auch ästhetisch ansprechenden Vortrag ihre Studienergebnisse so darzustellen, dass auch Nicht-Fachleute schnell einen Überblick erhielten, von dem sie auch etwas mit nach Hause nehmen konnten.

Die Tagung zeigte einmal mehr, wie wichtig es ist, dem biomedizinischen Maschinenmodell in der Medizin entgegen zu treten und allen Widerständen zum Trotz dem Dualismus die Stirn zu bieten.

Wir freuen uns sehr, wenn wir uns bei der nächsten PNI-Tagung wiedersehen!